Sinnbild für 10 Tipps, wie ihr euren älteren Liebsten das digitale Leben erleichtern könnt

Digitale Souveränität (nicht nur) zu Weihnachten – 10 Tipps, wie ihr euren älteren Liebsten das digitale Leben erleichtern könnt

„Weihnachten. Die Zeit, in der Kinder in ihre Heimatdörfer zurückkehren, um die IT-Probleme ihrer Eltern und Großeltern zu lösen.“

Eine ziemlich peinliche Aussage. Kein Zweifel. Der Thomas von 2016 wusste es sicher besser, dennoch gewann die jugendliche Arroganz die Oberhand und in Sekunden war dieser Post auf seiner Timeline zu sehen. Ein Post, der ihn 2019 heimgesucht hat. Der ihn daran erinnert hat, dass er es heuer nicht nur besser weiß, sondern auch besser kann. Denn zu wissen und zu tun sind zwei grundverschiedene Sachen.

Genau das ist auch die Motivation hinter diesem Artikel. Aus dem „besser wissen“ ein Tun zu motivieren. Sollte es jemandem grundsätzlich an Motivation fehlen – wovon wir absolut nicht ausgehen – aber sicher ist sicher: der/die beginne bitte mit dem ursprünglichen Artikel von Thomas: „Medienkompetenz – Eine Ode an die Hilfsbereitschaft.“

Thomas‘ Ode haben wir in dem Artikel „Best Ager, Silver Surfer, Generation 50+ – die neuen Alten im Marketing“ mit Zahlen und Studien untermauert. Nicht, dass eine Ode Zahlen und Studien braucht, aber sicher ist eben sicher. Besonders stark hat uns die Studie zum Thema „digitaler Souveränität“ von der Bertelsmann-Stiftung getroffen. Hier bringt es Dr. Michael Doh, Mediengerontologe am Psychologischen Institut der Universität Heidelberg, augen- und herzöffnend auf den Punkt:

 „Die Gruppe der älteren Menschen umfasst mittlerweile Menschen, die selbst die digitale Transformation auf den Weg gebracht haben. Wir haben somit mehrere Technikgenerationen unter den 65+-Jährigen. Interessen, Bedürfnisse und Kompetenzen sind so vielfältig wie unter Jüngeren. Gemein ist allen, dass Souveränität die Bereitschaft, sich Veränderungen zu stellen, voraussetzt.“ 

Vor allem den letzten Satz finden wir brillant in seiner wegweisenden Einfachheit. Woraus entsteht die Bereitschaft, sich Veränderungen zu stellen? Woher kommt der Mut, „schlecht“ in etwas Neuem zu sein? Was motiviert uns, das bequeme Alte gegen das herausfordernde Neue zu tauschen? In dem Best Ager Artikel haben wir behauptet, diese Bereitschaft käme dann, „wenn man sich verstanden und sicher fühlt“. Heute sind wir uns in punkto „Sicherheit“ nicht so sicher und legen eher Wert auf die Unterstützung. Auf das Gefühl, gemeinsam unsicher zu sein, gemeinsam den ersten Schritt in die Unsicherheit zu wagen. Vom Rest unserer damaligen Schlussfolgerung sind wir nach wie vor restlos überzeugt:

„Und der erste Schritt in diese Richtung liegt, wie so oft, bei uns. Um von gesunden, aktiven, agilen älteren Menschen umgeben zu sein, müssen wir sie so sehen. Das Selbstbild ist manchmal fragil und braucht Unterstützung von außen. Um langfristig eine reibungslose Kommunikation mit älteren Menschen sicherzustellen, müssen wir ihnen helfen – mit Geduld, Verständnis und Zeit.“

Ihr seht – wir haben viel geschrieben, uns viele Gedanken gemacht und getan haben wir auch einiges. Jetzt wollen wir euch helfen weiterzuhelfen. Im Folgenden findet ihr 10 Tipps, wie ihr euren älteren Liebsten das digitale Dasein erleichtern könnt. Und das nicht nur zu Weihnachten.

1. Geduld, Verständnis und Zeit

Das ist wohl eher ein sehr allgemeiner Ratschlag als ein „Tipp“. Da es aber das absolut Wichtigste, Notwendigste und Ausschlaggebendste ist, entscheiden wir uns trotzdem dafür, damit zu beginnen. Geduld ist eine Sache, die viele von uns unter dem alltäglichen Druck nach „besser, schneller, mehr“ verlernt haben. Das ist keine Schuldzuweisung. Vielmehr ist es eine Tatsache, über die es sich lohnt, kurz nachzudenken. „Besser, schneller, mehr“ ist bei Wissensweitergabe an sich nicht der optimale Zugang. Und bei einem älteren Publikum schon gar nicht. Der optimale Zugang ist Verständnis. Verständnis dafür, dass unsere neue, bessere, schnellere, digitale Welt unglaublich verwirrend sein kann. Verständnis dafür, dass die Frage nach der Sinnhaftigkeit des „Mehr“ oft unbeantwortet bleibt. Die Geduld und das Verständnis brauchen Zeit. Ein Blick auf die Uhr kann dem Gegenüber weh tun. Ein ungeduldiges, wenn auch lieb gemeintes „ach, komm schon“ kann mehr Negatives anstellen als wenn wir gar nicht erst damit begonnen hätten. „Gib her, ich mach das für dich“ ist eine Lüge – wir machen es nicht für sie, sondern für uns. Weil wir nicht die Geduld finden abzuwarten. Weil wir nicht das Verständnis haben, dass es sowas wie „selbstverständlich“ nicht gibt und nicht geben darf. „Nimm dir Zeit, du schaffst das“ – der Satz ist das einzig Richtige. Für uns und für sie.

2. Selbst Notizen machen

Es ist zu empfehlen, von Anfang an anzubieten, dass das Gegenüber Notizen macht. Dieses Angebot mag zunächst auf Ablehnung stoßen. Das ist normal, wenn man bedenkt, dass das besagte Gegenüber sich womöglich sowieso bereits Sorgen darüber macht, von unserer wertvollen Zeit zu stehlen und darüber, dass das Schreibtempo auch nicht mehr das ist was es mal war. „Gut, ich mach das für dich“ – ist wieder eine Lüge. Geduld, Verständnis, Zeit – ist und bleibt unser Mantra. Wir müssen darauf bestehen, dass das Gegenüber sich selbst Notizen macht. Ja, es verlangsamt das Ganze, aber es ist zwingend notwendig. Denn die Fähigkeit sich zu erinnern ist genauso wenig selbstverständlich wie alles andere. An dieser Stelle muss man natürlich aufpassen, ob das Notizenmachen überhaupt motorisch möglich ist. Wenn nicht, und nur dann, dürfen wir es für sie übernehmen. In ihrem Tempo, in ihrer Sprache, mit ihren Assoziationen. Was für uns drei Striche sind, kann für unser Gegenüber ein Zaun sein. Was für uns ein Rädchen ist, sieht für unser Gegenüber eher wie eine Sonne aus. Und das WLAN-Zeichen – das weckt nun wirklich viele Assoziationen. Genau diese Assoziationen brauchen wir, denn sie sind eine willkommene Gedächtnisstütze.

3. Grundeinstellungen helfen – wenn man weiß, dass es sie gibt

Manchmal beginnt die Abneigung gegen „das verflixte Ding“ – auch bekannt als Smartphone – in den ganz frühen Stunden der Benutzung. Der Ton ist zu leise, zu laut oder einfach nervig, der Text ist winzig klein und auf Fachchinesisch, die Tastatur ist zu klein, komisch und verschwindet wann und wo sie will. Kein Wunder, dass sich die Motivation sich näher damit auseinanderzusetzen, dadurch in bescheidenen Grenzen hält.

Die Grundeinstellungen sind jener Ort, wo der Weg zur digitalen Souveränität beginnen kann. Oft kommt unser Gegenüber nicht mal auf den Gedanken, dass man die besagten Grundeinstellungen ändern kann. Daher begibt es sich erst gar nicht auf die Suche danach. Somit lohnt es sich – auch wenn keine aktive Nachfrage zu diesem Thema kommt – aktiv nachzufragen ob Ton, Textgröße und Tastatur-Einstellungen so passen.

4. Der Kampf mit dem Touchscreen

Wir haben mal von Untersuchungen gelesen, die gezeigt haben, dass ältere Menschen, die einmal richtig unterrichtet wurden, mit einem Tablet oder Handy weitaus besser zurechtkommen als mit einem herkömmlichen Computer. Leider ist uns die Quelle abhanden gekommen – wir dachten uns, dass wir uns selbstverständlich daran erinnern werden, wenn wir sie brauchen. Tun wir nicht, ihr entschuldigt. Wir erinnern uns allerdings an den Inhalt.

Was für Touchscreens spricht ist, dass sie intuitiver sind als eine Maus, mobiler und dass der Mangel an Kabeln weniger einschüchternd wirkt. Allerdings kann die Art und Weise, wie ältere Menschen Geräte halten oder den Touchscreen berühren, für Unannehmlichkeiten sorgen.

Die besagten Untersuchungen haben die Antwortzeit des Touchscreens mit der durchschnittlichen Reaktionszeit einer Person über 65 Jahre verglichen. Einmal dürft ihr raten, wer schneller ist. Dazu kommen ggfls. noch ein leichtes Zittern oder der gemeine Daumen, der sich unerlaubt und unbemerkt an die Touchscreen-Fläche wagt und für totales Chaos sorgt.

Das Traurige ist, dass wir hier nur wenig helfen können. Wir können Geduld und Ausdauer predigen. Wir können Mut zusprechen. Wir können ein ehrlich ermutigendes Lächeln schenken, mit dem wir sagen „Nimm dir Zeit, probiere es nochmal, es wird klappen.“ Zur Not können wir auch von eigenen Tech-Schwierigkeiten berichten, um das Gefühl zu bestärken, dass sie nicht alleine sind im Kampf gegen den Touchscreen. Dass es im Endeffekt gar kein Kampf ist, sondern nun mal eine Gewohnheitssache, und wie alle anderen Gewohnheiten braucht es auch seine Zeit.

5. Das Internet ist wirklich Neuland

Was bedeutet es „online“ zu sein? Was muss ich machen, um „online“ zu gehen? Was kann ich alles „online“ machen? Dieses Gespräch ist kein leichtes. Für einige von uns unter anderem deshalb, weil wir diese vermeintlichen „Selbstverständlichkeiten“ noch nie so genau hinterfragt haben. Was uns erst auffällt, wenn uns keine einfache Erklärung einfällt. Lustig ist es trotzdem, für beide Seiten. Wichtig ist an dieser Stelle – sollten wir Unsicherheit bei der Erklärung verspüren, sollten wir diese nicht hinter einem Haufen Fachbegriffe verstecken, wie wir es womöglich in unserem beruflichen Alltag tun würden. Geteilte Unsicherheit ist in diesem Fall halbe Unsicherheit.

Beginnen können wir hier mit dem Eruieren, was der bestehende Handy-Vertrag hergibt und mit dessen Übersetzung. Die verständliche Übersetzung von „Datenvolumen“ ist an der Stelle der Knackpunkt zum Verständnis. Und dann kommt das WLAN. Wo finde ich WLAN, woran erkenne ich WLAN, wie verbinde ich mich mit WLAN. Und ganz wichtig – wie stelle ich im Ausland sicher, dass ich ausschließlich WLAN benutze und nicht mein Datenvolumen.

6. Willkommen in der Online-Welt

Was kann ich alles „online“ machen“ ist auch keine leichte Frage, weil es eben unzählige Möglichkeiten gibt. Um den Überblick nicht zu verlieren, empfiehlt es sich hier anhand von Themen vorzugehen. Eine mögliche Reihenfolge könnte folgendermaßen aussehen.

  • Kommunikation

    • Email – das Gegenüber verfügt wahrscheinlich bereits über ein Konto. Daher beginnen wir mit etwas Bekanntem. Unsere Aufgabe hier ist es, dieses Konto am Handy einzurichten und zu zeigen, wie das Email-Versenden funktioniert. Am besten, indem wir auf Ähnlichkeiten mit dem bereits Bekannten hinweisen.
    • WhatsApp – ist womöglich am Wichtigsten, daher hier mehr Zeit einplanen. Profil mit oder ohne Foto, mit oder ohne Text – Kleinigkeiten, die ja nicht das Wichtigste sind, aber Spaß machen. Und Spaß bedeutet Belohnung, Belohnung motiviert, also muss Spaß sein. Auch Fotos machen macht Spaß. Also ruhig ein paar Selfies schießen und dann üben, wie man sie verschickt. An die richtige Person. Emojis können auch eine spaßige Angelegenheit sein. Vor allem wenn die Lieblings-W-Frage kommt – warum brauchen wir Emojis und warum so viele. Viel Spaß bei der Erklärung.
    • Facebook – gehört auch dazu. Nicht zwingend allerdings, eher nach eigenem Ermessen und jenem des Gegenübers. Wenn aber Interesse besteht, dann ist es auf jeden Fall besser die Basics gemeinsam durchzugehen, bevor man unerlaubt und unerwünscht seine nackten Baby-Fotos auf Facebook sieht. Aus Erfahrung wissen wir, dass das passieren kann. Aus derselben Erfahrung empfehlen wir, als erstes dezidiert den Unterschied zwischen öffentlicher und privater Kommunikation auf Facebook zu erklären.
  • Information

    • Google – wo findet man Google und was findet man auf Google sind weitere wichtigen Fragen, die auf dem Weg zur digitalen Souveränität beantwortet und verstanden gehören. Für viele ist auch die Tatsache verwirrend, dass diese Information nichts kostet. Ein langes Gespräch über Algorithmen und SEO ist an dieser Stelle dennoch nicht zwingend zu empfehlen. Wichtig ist der Hinweis, dass die ersten Ergebnisse oft Werbung sind und nicht unbedingt die besten.
    • Nachrichten-Apps – dass es „Standard“, „Die Presse“ usw. auch als App gibt, kann unerwartet sein, aber erfreulich. Gegen die gute, alte, haptische, nach Tinte riechende Erfahrung des Zeitunglesens können die Apps womöglich nicht gewinnen, aber die Möglichkeit aufzuzeigen ist trotzdem nett.
  • Gesundheit

Es gibt unzählige Apps, die Hilfestellung in verschiedenen Lebensbereichen anbieten. Ohne sie zu kennen und ausprobiert zu haben, ist es an der Stelle schwierig Empfehlungen zu geben. Wenn allerdings die Motivation zu mehr Bewegung ein Thema ist, dann ist der Schrittzähler Goldwert. Kombiniert mit Neujahrsvorsätzen ist das ein wunderbarer Trick, mit dem man sich vielleicht, wenn man gefinkelt genug ist, sogar selbst austricksen kann. Bevor ihr „Neujahrsvorsatz“ überhaupt aussprechen könnt, steht ihr mitten in einer Walk-Wette mit eurem Gegenüber. Aktive PensionistInnen sind hier nicht zu unterschätzen, denn sie haben das, was wir uns so eifrig einreden nicht zu haben – Zeit.

  • Unterhaltung

Stellt euch das Leben ohne Musik vor. Nun denkt daran, woher eure Musik kommt. Richtig. Ihr wisst was zu tun ist. Vergesst hier nicht das Thema Datenvolumen und WLAN zu wiederholen. Und auf etwaige Werbung hinzuweisen. Ja, die Suche, das Finden oder gar das Erstellen einer Playlist kann mühsam werden. Aber nochmals – stellt euch das Leben ohne Musik vor. Oder aber, stellt euch vor, euer ganzes Leben nur das gehört zu haben, was euch das Radio oder die Platte oder die Kassette vorgegeben hat. Und dann auf einmal die wundervolle Welt von YouTube und Spotify zu entdecken. Was das für ein Gefühl sein muss. Ein bisschen neidisch darf man schon sein. Oder noch besser – bevor ihr nach ewiger Überlegung aus Geschenke-Verzweiflung schon wieder zum nächsten Parfum oder Rasier-Kit greift – Spotify-Abo, Playlists und Anwendungs-Tutorial. Gern geschehen.

  • Mobilität

Die Frage „wie komme ich von A nach B“ lässt sich heute unglaublich schnell beantworten. Sei es mit Google Maps für Gehdistanzen oder Auto-Hilfestellungen, mit Quando für die Öffis oder doch mit UBER für den Luxus, bequem und sicher von A nach B zu kommen. Ohne selbst den Weg diktieren zu müssen, aus Angst über den Tisch gezogen zu werden.

Wie immer gilt zu beachten – all das sind nur Empfehlungen. An erster Stelle und immer gilt es zunächst, sich nach den Bedürfnissen und Wünschen des Gegenübers zu erkundigen.

7. Online-Zahlungen sind beängstigend

Spätestens bei UBER kommt die Frage nach der Kreditkarte. Oder auch viel früher, wenn es um Online-Banking geht oder allgemein darum, Sachen online kaufen.

Es ist wichtig zu erklären, dass die Sicherheit ein zentraler Bestandteil des „Internetgeschäfts“ ist. Erforderliche Vorsichtsmaßnahmen verlässlich beizubringen ist dennoch knifflig. Gratis Angebote, die sich automatisch verlängern, übersehen manchmal auch wir. Oder der kleine Hacken, der uns eine Zusatzleistung unerwünscht verkauft. So oder so – wenn das Gegenüber grundsätzlich offen für Online-Zahlungen und bereit ist, das notwendige Vertrauen entgegenzubringen, dann ja – dann lohnt es sich Zeit in das Thema zu investieren. Wenn das Gespräch aber mit einem klaren „Nein“ beginnt – aus Angst, aus Unsicherheit oder aus für uns total unlogischen Argumenten heraus – dann lieber nicht. Wenn das Bedürfnis nach der jeweiligen Leistung groß genug wird, dann ist es soweit. Zwang und Geld sind keine schöne Kombination.

8. Die seltsame Sprache der Online Welt

„Diese Website verwendet Cookies.“ – stellt euch vor wie dieser Satz für jemanden klingt, der/die damit nichts am Hut hat. Aber dafür der englischen Sprache mächtig ist. Die Online-Sprache kann Verwirrung stiften. Wir müssen imstande sein, Wörter die mittlerweile Teil unseres Vokabulars sind – “Upload”, “Browser”, “URL”, “Update“ usw. – zu identifizieren und ins „Menschliche“ zu übersetzen.

9. Die Trilogie – Akku, Speicherplatz und Updates

Wer die gute, alte Zeit vor dem Smartphone erleben durfte, weiß: um den Akku eines Nokia leer zu kriegen, musste Snake eine Strecke von Wien bis nach Baden zurücklegen. (Angabe basiert auf der nostalgischen Erinnerung der Autorin, daher ohne Gewähr) They don’t make them like this anymore – stimmt nicht, das Handy kann absolut nichts dafür, dass wir die Hände nicht davon lassen können. So oder so – wir müssen unser Gegenüber warnen, dass der Akku nicht so lange wie gewohnt aushalten wird und deswegen öfter geladen werden muss. Den Stress stunden- oder gar tagelang unsere älteren Liebsten nicht erreichen zu können, will keiner!

Exkurs

An diejenige unter uns, die es für eine gute Idee halten, das älteste der alten Handys an die Älteren weiterzuschenken: schauen wir bitte davor, ob es auch wirklich funktioniert. Sich auf ein Handy zu verlassen, dessen Akku nur ein paar Stunden hält, ist nicht nur nicht lustig, sondern schlichtweg unverantwortlich. Ein Handy mit einer defekten Kamera zu verschenken, sodass die neue Benutzerin der Meinung ist, sie sei zu blöd um es zu verwenden, ist einfach nur gemein.

Ein voller Speicherplatz ist grundsätzlich ein Luxusproblem. Es deutet auf rege Kommunikation hin oder auf viele Fotos und Videos, die in Erinnerung behalten werden wollen. So großartig das auch ist, ist es ziemlich lästig. An der Stelle können wir z.B. erklären, dass alles was über WhatsApp verschickt und empfangen wird, auch am Handy gespeichert ist. Wir können auch zeigen, wie NUR die verschickten Fotos und Videos zu löschen sind.

Zweiter Exkurs

Thomas hat mal in seinem WhatsApp Kurs einen USB-Stick empfohlen, auf den man Fotos direkt vom Handy rüberziehen kann. So gut wie dieser Tipp in der Regel wohl auch funktioniert, war er für die Autorin alles andere als hilfreich. Der Empfehlung folgend wurde Speicherplatz am Handy freigeschaffen, was zunächst für Freude und Erleichterung sorgte. Dies sollte aber nicht von langer Dauer sein. Denn eines Tages ging der USB-Stick verloren. Und mit ihm auch die kostbaren Urlaubsfotos und die Freude. So viel zu Empfehlungen – bevor man was weiterempfiehlt, sollte man sich Gedanken darüber machen ob es die richtige Empfehlung für jedes Gegenüber ist. Oder vielleicht doch nur für die Nicht-Chaotischen unter uns.

Die Updates

Ständig und immer wieder was Neues. Nimmt es denn kein Ende? Nein, lieber Opa, die Technologie, genauso wie wir Menschen heute, updaten uns so gut wie täglich. Warum? Weil wir es müssen. Warum müssen wir es? Kurze Nachdenk-Pause.

Mit oder ohne philosophisches Gespräch – die Frage nach den Updates wird kommen. Bevor wir den dritten Opa-Anruf mitten in einem Meeting bekommen und ran gehen – denkend, dass es um Leben und Tod geht – nur um diese Frage gestellt zu bekommen, empfiehlt es sich, sie im Vorhinein zu klären. Ja, Updates gehören regelmäßig erledigt. Nein, es passiert nichts gravierend Schlimmes, wenn nicht.

10. Warum fragst du denn nicht?

Unser letzter Tipp ist dem ersten sehr ähnlich. Eigentlich ist es gar kein Tipp, sondern ein Ratschlag. Aus Erfahrung und aus ganzem Herzen. Warten wir bitte nicht, bis wir um Hilfe gefragt werden. Verstecken wir uns nicht hinter der vermeintlichen Unwissenheit über diese Schwierigkeiten. Schwierigkeiten, die die Kommunikation mit unseren älteren Liebsten prägen. Schwierigkeiten, die deren Leben ausmachen.

Warum hast du denn nicht gefragt?“ – keiner will nach Hilfe fragen. Vor allem nicht, wenn es wichtig ist. Wann haben wir denn das letzte Mal ernsthaft nach Hilfe gefragt.

Warum sagst du denn nichts?“ – keiner will über Probleme reden, wenn es wenig Zeit zum Reden gibt. Und die Zeit zum Reden ist wenig. Das wird uns leider erst dann klar, wenn es diese Zeit gar nicht mehr gibt.

Ein ziemlich morbides Ende für einen vorweihnachtlichen Blogartikel. Aber ehrlich. Aus Erfahrung und aus ganzem Herzen. Ihr entschuldigt, sollte es dennoch zu viel sein.

In diesem Sinne, und um das Thema zu wechseln, wünschen wir magische Feiertage voller Freude, erfüllender Gespräche und sinnvoller Geschenke wie Geduld, Verständnis und Zeit.

 

Photo by Michael Fenton on Unsplash