Sinnbild für Vivs Digital Diary - Quote - All we have is words

Viv’s Digital Diary – über Melancholie, happy endings & new beginnings

Lange ist es her… Fast drei Monate, um genau zu sein… Drei Monate seitdem ich den letzten Viv’s Digital Diary über die Komfortzone geschrieben habe. Ist ein cooler Artikel geworden, nicht wahr? Ich gebe zu – er ist mein Lieblingsartikel hier.

Klang das zu melancholisch? Wenn ja, entschuldigt. Wie der Titel schon verrät, sieht es zukünftig nicht gut aus mit Viv’s Digital Diary. Na gut, die fast dreimonatige Pause hat das Ende auch klar und deutlich genug angekündigt.

Nüchtern betrachtet ist die Chance, dass dieser Artikel nicht melancholisch klingt, ziemlich gering. Denn ich bin gerade etwas melancholisch. Und melancholische Menschen schreiben melancholische Artikel. Wenn man Google nach Melancholie fragt, kriegt man Spannendes zu lesen.

Melancholie ist bittersüß

In einem echt schön geschriebenen Artikel auf beobachter.ch wird Melancholie als eine kreative Kraft beschrieben – „sie macht nachdenklich, dünnhäutig, sensibel“. Dünnhäutig sein – ein Fluch da draußen im wilden, wilden Kapitalismus, aber zugleich ein Segen für SchöpferInnen. Oder Content Creator, wie man sie (oder uns?!) so „schön“ nennt. Melancholie sei ein „Innehalten und Wahrnehmen von Zwischentönen im Leben“. Zwischentöne – welch wunderbares, sanftes Wort für die kleinen, oft unerklärlichen Höhen und Tiefen im Leben. „Melancholie siedelt sich irgendwo zwischen Traurigkeit und Träumerei an“ – ja, das trifft gut zu. Bittersüßes, traurig verträumtes Nachdenken – Google & beobachter.ch haben meinen emotionalen Zustand bestens diagnostiziert.

Das Bittere

Warum traurig? Na gut, traurig ist vielleicht doch etwas zu viel. Nennen wir es zweifelnd, unsicher, fragend. Als mein Praktikum hier, bei TOMAN + MEYER, begann hatte ich große Pläne. Beginnend mit „in die schöne, gar nicht mehr so neue, digitale Welt einzutauchen“, über „mich so wirklich mit Performance Marketing auseinanderzusetzen. Oder mit Adobe… Oder so wirklich mit WordPress und Co…“ bis hin zu mir und euch Antworten auf weltbewegende Fragen liefern wie „Hat man als All-Around-Marketerin eine Zukunft oder ist Digital unsere einzige Überlebenschance in der Marketing-Branche?“ Was diese Pläne betrifft, habe ich versagt (…drama queen mode on).

Der Plan war Sarah zu shadowen und von ihr Performance Marketing zu lernen – dazu ist es auch nicht gekommen. Und zwar nicht deshalb, weil sie oder die Anderen sich dafür die Zeit nicht genommen hätten, sondern weil ich sie mir nicht genommen habe. Eine Ausrede habe ich natürlich. Die ersten Monate hier waren die letzten von meinem FH Studium und vom Social Media Management Lehrgang. Im Juni hatte ich das Gefühl, dass nur noch eine einzige neue Information, nur noch eine minimale Anstrengung was Neues zu verstehen, meinen Kopf endgültig zum Explodieren bringen würde. Daher auch der Komfortzone-Artikel. Im Juni habe ich mich sehnlichst nach einer Komfortzone gesehnt. Nach 9 to 5. Nach Routine. Stellt euch das vor… Ich bin nicht stolz darauf, aber so war es nun mal.

Hätte ich die Zeit hier besser nutzen können? Habe ich die großartige Chance verpasst von T+M zu lernen? Wird jetzt ohne Adobe-Expertise und Performance Marketing doch was aus mir?

 An dieser Stelle muss ich an Fredmund Malik denken. Denkt ihr auch an Management-Gurus, wenn ihr melancholisch seid? Oder soll ich der FH die Schuld geben? Wie dem auch sei… Es ist nicht das erste Mal, dass ich an Malik denke. Das erste Mal findet ihr hier.

Man kann von ihm und seinen „Grundsätzen wirksamer Führung“ halten was man will. Aber eines will mir nicht aus dem Kopf gehen – Stärken stärken statt an Schwächen zu arbeiten. In einem Artikelfür die Welt schreibt Malik:

„Wer seine Schwächen – oft mit übermenschlichen Anstrengungen – beseitigt, erreicht damit selten mehr als Mittelmaß. Er kommt – meistens physisch oder psychisch erschöpft – dort an, wo jene, die diese Schwächen nicht hatten, mühelos gestartet sind. Der Aufwand ist gigantisch, das Ergebnis kläglich.“

Mittelmaß! MITTEL-Maß! Der pure Horror! Der Stoff, aus dem meine Alpträume gemacht sind!

Eine zerschmetternde Aussage. Vor allem, wenn man gerade das kapitalistische dicke Fell abgelegt hat, um sich ein paar Textseiten Dünnhäutigkeit zu gönnen. Daher lasse ich das jetzt hier weitgehend unkommentiert.

Ihr entschuldigt, aber nach einer Seite „Bitteres“ will ich nun zum „Süßen“ übergehen. Zu dem, was ich – statt wie geplant an meinen Schwächen zu arbeiten – eigentlich die letzten Monate gemacht habe.

Das Süße

Ich habe geschrieben. Ich habe einige Blogartikel geschrieben. Von Fachlichem wie TikTok Marketing über Fachlich-Menschliches wie Best Ager Marketing bis hin zu Menschlichem wie Community Management. Letzteres ist übrigens mein Zweitlieblings-Artikel. Auf Facebook wurde mein Selbstversuch einer Definition von Community Management zitiert. Und das auf eigene Gefahr. Das fühlt sich dann großartig an.

Ich habe meine Liebe zum Schreiben (wieder)entdeckt und bin unbeschreiblich glücklich und dankbar dafür. Schreiben ist der Grund warum ich in Wien gelandet bin – vor über 10 Jahren habe ich aus meinem Deutsch Gymnasium heraus an einem Literaturwettbewerb teilgenommen und gewonnen. Ich bin nach Wien gekommen, um den Preis zu holen. Habe mich dann augenblicklich in die Stadt verliebt und da bin ich. Romantisch, nicht? Zehn Jahre und einige unrealisierte Weltherrschaft-Pläne später sitze ich da, schreibe und weiß es zu schätzen. Das ist doch süß, das muss man zugeben.

Nicht immer ist es süß, das muss man auch zugeben. Lange Recherche, noch längere Suche nach den richtigen Worten. Und die Zweifel. Bei Artikeln wie Instagram Hashtag Strategie die Zweifel, ob das eh nicht schon alle wissen. Und bei Community Management die Zweifel ob das überhaupt wen interessiert. Und der größte Zweifel – auf was hinauf schreibe ich das? Dürfen Nicht-Expertinnen solche Artikel überhaupt schreiben? Und wisst ihr was ich herausgefunden habe? Ja – das dürfen wir. Denn Selbstzweifel hat auch was Positives. Ähnlich wie Melancholie ist er auch bittersüß. Er quält uns vielleicht ein bisschen und verlangsamt uns. Aber er bringt uns auch dazu uns doppelt und dreifach anzustrengen. Noch gründlicher zu recherchieren. Noch bessere Quellen zu finden. Ob und inwiefern das Resultat spürbar besser ist, werden wir nie erfahren.

Exkurs

An dieser Stelle hätte ich eine Bitte. Wir, die die schreiben (mal ausnahmsweise ohne Content-Maker-Creator-Blogger-Schreiberling-Label), haben sehr oft ähnliche Themen. Aus meiner Sicht ist es okay und vollkommen legitim, sich an andere Artikel anzulehnen, solange wir Mehrwert schaffen. Sei es eine gute Übersetzung, sei es eine andere Interpretation. Wir sind alle auf gute Quellen angewiesen. Frei nach dem Motto „Es wurde eh schon alles geschrieben – Aber nicht von mir“. For karma’s sake – zitieren wir bitte ordentlich. Ohne überheblich wirken zu wollen. Nicht selten liest man Sätze wie „87% geben an, dass…“ Emojis toll sind oder was auch immer. Oft wenn eine Quelle angegeben ist, dann so, dass man stundenlang recherchieren muss, um diese eine Angabe zu finden. Und diese eine Angabe ist oft sehr wichtig. Also helfen wir einander gegenseitig und verlinken unsere Quellen. Mehrwert für mehr Wert 💜

Zurück zum Süßen…

Was mir das Blogartikel-Schreiben für T+M gegeben oder besser gesagt genommen hat, ist die Angst vor den grammatikalischen Fehlern. Mit Deutsch als zweite Fremdsprache ist das durchaus ein Thema. Ein großes Thema. Angeblich ist Korrekturlesen lassen bzw. Lektorat keine große Sache, die einer/m peinlich sein soll. Oder die eine/n vom Schreiben abhalten soll. Für diese Erkenntnis bin ich T+M sehr dankbar. Und der Person, die meine Sachen korrigiert – an dieser Stelle ein großes Dankeschön und ich hoffe, du hast ein bisschen Spaß dabei.

Das Lesbarkeits-Analyse-Männchen

Was weder ich noch meine Lektorat-Unterstützung immer schaffen, ist das Lesbarkeits-Analyse-Männchen in WordPress zum Lächeln zu bringen. Ihr wisst schon… wenn ihr zu schnell in einer 30er Zone fahrt, gibt es diese eine Smiley-Tafel (ob es dafür ein eigenes Wort gibt?), die dann traurig dreinschaut. Wie oft seid ihr schon langsamer gefahren gerade vor dieser Tafel, um das Männchen zum Lächeln zu bringen? Genau so geht es mir mit dem Lesbarkeits-Analyse-Männchen in WordPress. Es findet meine Sätze zu lang, zu verschachtelt. Und dann ist es rot und traurig. Texte, die es zum Lächeln bringen, finde ich wiederum zu einfach, zu basic. Dann bin ich rot und traurig. (…weder noch aber es klingt so schön). Die nicht immer passenden Überschriften im Text? Das mach ich alles nur für das Lesbarkeits-Analyse-Männchen. Wenn ihr den Text lesen wollt, dann lest ihr ihn auch ohne Überschriften. Aber das Lesbarkeits-Analyse-Männchen braucht sie, um glücklich zu sein.

Wie dem auch sei… Ich erzähle euch das alles nur, weil ich im ersten Viv’s Digital Diary versprochen habe ehrlich zu sein. Und was Schreiben betrifft, gibt es nun mal diese drei Sachen

  • Recherchieren, um die bestmöglichen und aktuellsten Quellen zu finden
  • Sich nicht von der Angst vor Grammatik abhalten lassen
  • Das Lesbarkeit-Analyse-Männchen zum Lächeln zu bringen

Eine vierte Sache gibt es auch. Und sie ist mein T+M Team und ob die Artikel unserem Qualitätsanspruch entsprechen. Wenn sie lächeln ist das Lesbarkeits-Analyse-Männchen nicht mehr so wichtig. Die fünfte und die eigentlich wichtigste Sache seid ihr, die Menschen, die die Artikel lesen. Denn man schreibt ja für sein Publikum. Wie Sokrates einst zu einem angehenden Schüler gesagt hat „Sprich, damit ich dich sehe“. Das beste Motto, das Content Marketing haben kann.

Das Bittersüße

Wenn wir schon dabei sind persönlich zu werden. Oder wie wir das erste Viv’s Digital Diary angekündigt haben – „hautnah und unverfälscht“. Mir ist es ein Anliegen das Ende vom Diary so zu schreiben wie ich es fühle, weil es der letzte Artikel ist, den ich unter dem Namen Vivian Gergova schreibe. Ab morgen heiße ich nämlich Vivian Scherz. Ich heirate und nehme den Nachnamen meines Mannes an. Man macht sich keine Gedanken über den eigenen Namen. Muss man auch nicht zwingend, es ändert sich schließlich kaum irgendwas. Ein bisschen melancholisch darf man aber sein.

In dem Artikel über Melancholie schreibt Johannes Kornacher: „Erst die Gemischtheit der Gefühle, die Gegensätze machten das Leben aus. Die Idylle sei sicher schön, aber pure Illusion.“ Er zitiert Autor und Kabarettist Bänz Friedli „Es gibt so etwas wie eine heitere Nachdenklichkeit. Es ist doch schön, wenn das Leben etwas zu denken gibt.

Nachdenken ist was Schönes.

Wie wird Vivian Scherz wohl schreiben? Wird sie lustiger? (…entschuldigt das musste jetzt sein.) Das werden wir im September erfahren. Denn das ist das Ende von Viv’s Digital Diary, aber einige weitere Artikel kommen noch. Und ich freue mich darauf. Ich hoffe, ihr auch.

 

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