Vivs Digital Diary #4 – in einer Vier-Tage-Woche über die Vier-Tage-Woche

Als ich damals vor etwa vier Jahren meine quasi „Marketing Karriere“ begonnen habe, galt es (in meiner Bubble) als echt cool ewig lang zu arbeiten. Man hat mit Stolz davon berichtet, dass man die ganze Woche durchgearbeitet hat. Die Überstunden galten als Erfolgserlebnis. Eine ca. 60 Stunden Woche war voll in. Schlaf war für Versager. Privatleben für Verwöhnte. Hustle Hustle Hustle – so hat man dazugehört. Zugegebenermaßen, ich war auch stolz zu dieser Hustler-Bande dazuzugehören. Kaum zu schlafen, mir kaum Zeit für meinen Lebenspartner und meinen FreundInnen zu nehmen. Nach einiger Zeit konnte ich einfach nicht mehr schlafen… Nach einiger Zeit das Privatleben ignorieren, hat mich mein privates Leben ignoriert. What goes around, comes around – verständlich.

Zurückblickend kann ich nur den Kopf schütteln. Heute bin ich froh nicht mehr in dieser Bubble zu sein. Meine heutige Bubble weiß Privates, Hobbies, Schlaf und Gesundheit zu schätzen. Und aus heutiger Sicht finde ich das richtig so.

Was sagt eigentlich die Zeit, die wir in der Arbeit verbringen, über unsere tatsächliche Produktivität aus? Meiner Erfahrung nach – nicht viel. Beginnen wir mal mit den fest vordefinierten Arbeitszeiten, klassisch nine to five. Einerseits spricht dafür, dass man dadurch einen geregelten Alltag haben könnte. Andererseits – wir sind alle unterschiedlich. Ich zum Beispiel bin ein Abendmensch. Ich bin abends bzw. nachts viel produktiver und kann mich viel besser konzentrieren. Es gibt eine Reihe an Routine-Übungen, die das Gegenteil erzwingen/bewirken könnten, bis dato hat aber langfristig bei mir nichts wirklich funktioniert. Für Abendmenschen, wie mich, ist es die reine Qual um neun Uhr früh funktionieren zu müssen. Das kann natürlich als “Sudern” auf einem sehr hohen Niveau bezeichnet werden, aber ich frage mich, wieviel Stunden bezahlte Arbeitszeit quasi „verloren“ gehen wegen des „one size fits all“ Arbeitsmodells. Es ist unmöglich dies auf alle Branchen umzulegen, jedoch bin ich der festen Überzeugung, dass flexible Arbeitszeiten in der Marketing-Branche, vor allem wenn es um Kreativität geht, extrem wichtig sind. Außerdem tut mir der Montag langsam Leid. Er ist zum Feind Nr.1 mutiert. Ganz ehrlich, der arme Montag, er kann doch nichts dafür… 

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Die Anzahl der Stunden in der Arbeit vs. der Anzahl der Stunden tatsächlicher Produktivität. Denn… was macht uns produktiv? Jetzt mal abgesehen von Deadlines, denn die sind bekanntlich Produktivitäts-Bringer Nr.1.

Als erstes kommt hier für mich die Arbeit selbst. Was man gern macht, macht man gut. Das selbst bestimmen zu können und zu dürfen ist durchaus ein Privileg. Ich muss aus Erfahrung sagen (im Vergleich zu Bulgarien) hat man hier in Österreich viele Möglichkeiten sich früh zu orientieren bzw. sollte man die Orientierung verlieren sich mit einer (in meinem Fall) Bildungskarenz umzuorientieren. Ein soziales Sozialsystem darf nicht als Selbstverständlichkeit hingenommen werden. An dieser Stelle muss ich betonen wie unglaublich wichtig es ist, sich politisch zu engagieren. Und…nach Orientierungs-Angeboten wie z.B. dem TOMAN+MEYER Begleitservice zu suchen und sie in Anspruch zu nehmen. Wenn der Job aufhört eine Bereicherung für sich selbst zu sein, kann man schwer entsprechend produktiv sein und so die erwarteten Ergebnisse bringen. Natürlich nicht immer und bei allen Projekten – das zu erwarten wäre unrealistisch. 

Nach der Arbeit selbst kommt für mich das Team, das Management und die Anerkennung. Nicht nur die Anerkennung der geleisteten Arbeit und die daraus resultierenden Erfolge, sondern auch jene der Person mit ihren Bedürfnissen. Wie bereits gesagt „one size fits all“ funktioniert, meiner Meinung nach, nicht optimal. 

All das hat wenig bis nichts zu tun mit den geleisteten Arbeitsstunden. Bei TOMAN+MEYER hat man die Vier-Tage-Woche bzw. 32 Arbeitsstunden-Woche. Da ich ja hier nur ein Praktikum mache, kann ich nicht direkt sagen wie das funktioniert oder was das für die einzelnen MitarbeiterInnen bedeutet. Ich kann euch nur davon berichten wie es die Arbeitsatmosphäre verändert. Im Vergleich zu meinen früheren Erfahrungen, wo alle (mich inklusive) durchgehend gestresst waren, das auch ständig betont haben und sich nie Zeit für eine Pause oder einen Lunch-Break genommen haben, geht es hier um einiges entspannter zu. Das liegt sicher nicht an dem Mangel an Arbeit – es kommen ständig neue Aufträge und Projekte rein. Es gibt einiges zu tun, meiner Einschätzung nach, sogar viel mehr als bei meinen früheren Jobs. Dennoch läuft man nicht gestresst herum. Ich persönlich glaube, dass diese Entspanntheit genau darauf zurückzuführen ist, dass man auch Zeit für sich selbst hat. Wenn der Arbeitgeber authentisch und tatkräftig darauf Wert legt, dass die MitarbeiterInnen Zeit für sich und ihr Leben haben – dann herrscht eine ganz andere Arbeitsatmosphäre. Eine herrliche Motivation entsteht daraus, dass man sich als Mensch geschätzt fühlt. Außerdem, gerade in unserer Branche, gilt es a) kreativ zu sein, b) sich in die jeweilige Zielgruppe versetzen zu können, c) die neuesten Trends zu kennen und viel viel mehr, was mit dem Leben da draußen zu tun hat. Woher soll das alles kommen, wenn man die meiste Zeit im Büro verbringt?

Ich bin auch ganz fest der Überzeugung – glückliche Menschen sind produktive Menschen. Man kann das grundsätzlich auch etwas egoistisch betrachten, weil das heißen würde: uns ist wichtig, dass unsere MitarbeiterInnen glücklich sind, damit sie produktiv sind. Aber hey – why not? Was gibt es Besseres? Zwang und fünf Tage die Woche nine to five sind es sicher nicht. An dieser Stelle möchte ich Thomas zitieren „es gilt, für jeden ein Modell zu finden, das für beide Seiten fair ist“. 

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