Sinnbild für Zielgruppenkommunikation

Die Zerstörung der Zielgruppenkommunikation

Die Überraschung der etablierten Parteien war groß: Die Wählerinnen unter 30 geben ihnen nicht ihre Stimme. Eigentlich nicht überraschend wenn man sich die Wahltrends und die jüngsten Entwicklungen anschaut. Artikel 13 war ein großes Thema in den sozialen Medien. Es wurde dagegen angeschrieben, Youtuberinnen brachten Video-Aufrufe gegen die “Upload-Filter”, die Menschen gingen auf die Straße. Es nutzte alles nichts. Die großen Parteien – bzw. nicht mehr ganz so großen wenn man sich die Sozialdemokraten so anschaut – ignorierten die Stimmen der Jungen.

Ein weiteres großes Thema für junge Menschen ist die FridaysForFuture-Bewegung. Eine ernstzunehmende und gerechtfertigte Bewegung, die die Politik und die erwachsene Gesellschaft auffordert endlich was in der Klima-Krise zu unternehmen. Die Reaktionen der Politik: Die Kinder sollen zur Schule gehen, nicht demonstrieren. Die wenigsten Politikerinnen reagierten mit Verständnis oder gar Unterstützung.

Pünktlich zur EU-Wahl bewegte die jungen Wählerinnen dann das Rezo-Video mit dem reißerischen Titel “Die Zerstörung der CDU”. Das Video mag polemisieren, Sachverhalte vereinfacht darstellen und sich auf einen Gegner eingeschossen haben. Nichtsdestotrotz hatte das Video eine enorme Reichweite vor allem bei jungen Menschen. Auch hier waren die Reaktionen der politischen Größen erschreckend. Zunächst verfielen sie in Schockstarre. Dann sollte es Philipp Amthor richten, ein junger Bundestagsabgeordneter der CDU mit dem Image eines Klassensprechers. Als auch das nichts fruchtete und die Jungen sich immer noch über die CDU mokierten, ließ sich Annegret Kramp-Karrenbauer (kurz: AKK), ihres Zeichens CDU-Chefin, auch noch zu fragwürdigen Äußerungen hinreißen. Diese kamen bei den jungen Wählerinnen eher als Drohung mit Zensur an, denn als konstruktiver Beitrag zur Debatte.

Die Antwort ist: Relevanz

Was haben diese drei Dinge gemeinsam, dass sie junge Leute elektrisieren, während sie anderen politischen Debatten gleichgültiger gegenüber stehen? Die Antwort ist: Relevanz. Jungen Leuten ist es relativ egal wie viel Rente alte Leute bekommen, solange diese finanziell abgesichert sind. Auch das deutsche Baukindergeld ist eher kein Thema das junge Gemüter elektrisiert. Genauso wenig wie der österreichische Pflegeregress. Die Freiheit des Internets, dass für alle jungen Menschen nicht nur zum Alltag gehört, sondern Alltag ist, interessiert sie natürlich schon. Genauso wie die Klimakrise, deren Folgen sie von den vorangegangenen Generationen geerbt haben, für diese Menschen überaus wichtig ist. Oder auch das Video eines Youtubers, der endlich einmal Tacheles redet und zielgruppengerecht Informationen aufbereitet.

Relevanz? Zielgruppengerecht?

Diese beiden Buzzwords gehören zusammen. Ein Thema kann noch so relevant für eine Zielgruppe sein, wenn es nicht zielgruppengerecht präsentiert wird, wird es nicht wahrgenommen werden. Genauso kann ein Thema zwar zielgruppengerecht aufbereitet sein, aber wenn es nicht relevant ist, wird es die Zielgruppe trotzdem nicht interessieren. Nur wer diesen Zusammenhang erkennt und danach handelt kann auf Dauer einen ernstzunehmenden Dialog mit seiner Zielgruppe führen. Ab diesen Zeitpunkt werden sich Userinnen, Kosumentinnen und Wählerinnen ernstgenommen vorkommen. Dann werden sie die Marke, das Produkt oder eben die Partei zu schätzen wissen, die transportierten Inhalte wahrnehmen und sich darüberhinaus damit auseinandersetzen.

Tipps für erfolgreiches Content Marketing basierend auf psychologischen Erkenntnissen findest du hier.