Sinnbild für Selbstbild und Fremdbild

Viv‘s Digital Diary #2 – Selbstbild, Fremdbild und das Begleitservice

Meinen zweiten Tagebucheintrag möchte ich mit einem großen DANKE beginnen. Ich habe zwar gehofft, dass der erste gut ankommt. Aber dass es tatsächlich Menschen geben wird, die sich die Zeit nehmen mir zu schreiben oder mit mir darüber zu reden kam überraschend. Also DANKE Leute – es tut unglaublich gut Feedback zu bekommen.

Ich habe Blogger bzw. Influencer oder aber einfach Menschen, die online oft und ehrlich ihre Geschichten erzählen, bewundert oder gar leicht beneidet. Ich denke mir nämlich immer „wen interessierts”?

Wen interessiert es, dass ich beruflich die Orientierung verloren habe und mit der Frage zu kämpfen habe, ob es noch Sinn macht zu versuchen in einer Branche (Social Media/Performance Marketing) jetzt durchzustarten und nachzuholen, wenn es eh schon so viele ExpertInnen* gibt. Was ich in meinen Überlegungen nicht bedacht habe – es geht ja nicht (per se) um mich. Es geht um die Anderen da draußen, die vielleicht mit denselben Gedanken zu kämpfen haben. Wie man so schön sagt: geteiltes Leid ist halbes Leid.

Nun zur eigentlichen Frage, die ich auch im ersten Tagebucheintrag angesprochen habe. Die Frage bezieht sich auf das große Ganze – auf die Sinnhaftigkeit, eine Karriere in Social Media Marketing und Performance Marketing als EinsteigerIn anzustreben. Macht es Sinn jetzt noch damit anzufangen? Es gibt so viele ExpertInnen – hat man als EinsteigerIn noch eine Chance? Thomas` Meinung hierzu „Wer sagt, dass du nicht genauso gut oder noch besser werden kannst?“ Die Antwort: „Ich, ich selber.“ Ich bin es gewohnt (und da gebe ich nicht der Marketing Branche die Schuld, es liegt ganz offensichtlich an mir) immer besser sein zu müssen. Besser als die Anderen, morgen besser zu sein als ich es heute bin. Wie macht man das aber, wenn man heute startet?

Ich würde jetzt gern über T+Ms Begleitservice schreiben. Sollte ich aber eher nicht, weil dann all das hier womöglich werblich wirken würde. Die „Begleitservice“-Idee ist genau die, Menschen Orientierung zu bieten, die gerade welche brauchen. Ob es um einen Jobwechsel oder eine Ausbildung geht – einfach ein Gespräch (zwanglos, ggf. bei einem Glas Bier oder Wein) darüber, worum es eigentlich in der Branche geht, wie startet man durch, was man so den ganzen Tag tut. Werden eher Kreativität oder analytische Skills erfordert… (das eine schließt das andere nicht aus)? Schade, dass ich jetzt nicht darüber schreiben sollte und gut, dass ich es nicht gemacht habe 😝. Schade, dass man bei solchen Projekten oft nach einem Hintergedanken sucht.

Ich habe nämlich letzte Woche wieder mal einen Beweis bekommen, dass man bei fast allem nach einem Hintergedanken sucht. Ein FH-Kollege hat mich aufgrund meines FB-Posts zum Blogeintrag (von meinem eigenen Profil aus) gefragt, ob ich gezwungen wurde, Folgendes zu schreiben:

 „Ich habe das Glück von unglaublich fähigen und gleichzeitig echten, denkenden, coolen Menschen umgeben zu sein. Sie legen keinen Wert darauf wie viele Jahre Erfahrung man hat oder was man vorzuweisen hat. Sie fragen weder nach Referenzen noch nach nichts-aussagenden Uni-Abschlüssen. Für sie zählt wer man ist, was man kann und wie motiviert man ist.

Für mich sind sie die Zukunft. Vielleicht nicht meine Zukunft (oder doch, wer weiß 💜), aber die Arbeitsstruktur-Zukunft. Menschenverständnis, Vier-Tage-Woche und ein geniales, glückliches Team – as easy as that!“

Tja, zugegebenermaßen klingt es sehr nach Werbung. Nach einer Ode der Dankbarkeit. Nach einer absoluten Übertreibung. Ist es aber nicht. (pinky promise!) Das Team ist nun mal genial. Sie sind großartig in dem was sie tun, jeder hat seine Expertise und jeder nimmt sich Zeit für den anderen. Ich werde z.B. demnächst anfangen, unsere Sarah zu shadow-en. Sprich – mich neben sie zu setzen und lernen, was sie alles tut und wie sie es tut. Ganz ehrlich – wer nimmt sich denn Zeit für sowas? An dieser Stelle: danke, Sarah!

Um zurück zu der Frage zu kommen: nein, ich wurde natürlich nicht gezwungen das zu schreiben. Alles was ich hier schreibe meine ich wirklich! Es ist ernüchternd so ein Feedback zu bekommen. Hätte ich über die Firma geschimpft, wäre es jedem normal vorgekommen. Aber so ist es nun mal… Frei nach dem Motto „only bad news are good news” sind wir Schlechtes gewohnt. Schlechtes passiert leider öfters, weil es weniger Zeit braucht. Wie lange dauert es ein Haus zu bauen, ein Kind groß zu ziehen, eine Karriere aufzubauen? (Reihenfolge irrelevant!) Und wie lange braucht ein Erdbeben, ein Unfall, eine psychische Instabilität, um alles auf den Kopf zu stellen? Für mich immer wieder erschreckend.


Ein weiterer Punkt, den ich im ersten Blogeintrag aufgeworfen habe, ist die schreckliche Abhängigkeit vom Titel auf der Visitenkarte. Für alle die es nicht gelesen haben – es ging darum, JA zu einem Praktikum zu sagen, nach Jahren mit einem Manager-Titel auf der Visitenkarte. Also stellte sich für mich die Frage, inwiefern die Karriere und der Erfolg sich auf das Selbstbild auswirken? Bin ich ICH, egal was ich beruflich mache, oder bin ich das, was auf meiner Visitenkarte steht? Inwiefern steht unser beruflicher Erfolg dafür, wie „erfolgreich“ wir im Leben sind?** In meiner Recherche stoße ich auf die Trennung zwischen „Selbstbild“ und „Fremdbild“.

In der Psychologie ist das „Selbstbild“ die „Vorstellung über die eigene Person“. Diese ist allerdings von vielen Faktoren geprägt und orientiert sich unter anderem an dem, was wir sein wollen, also an dem Ideal- oder Wunschbild. Ich weiß zwar, dass ich ein guter, fürsorglicher, interessanter und lustiger Mensch bin, aber ich weiß auch (oder glaube es zu wissen), dass ich in meinem Beruf erfolgreich sein muss und will. Wir verbringen (ob man es will oder nicht) die meiste unserer Zeit mit unseren Jobs. Wie schafft man da eine Trennung? Auch wenn man Freunde und Hobbies hat. Viele schaffen es (Hut ab!) – ich wüsste aber gern, wie genau man das „Selbstbild“ vom Job trennt.

Das Fremdbild ist jenes Bild, das sich andere über uns machen. Wahrnehmungen, Bewertungen und Gefühle – alles fließt mit hinein. Sprich: unser Aussehen, unsere Sprache, unsere Körperhaltung, alles was wir von uns, gewollt oder ungewollt, preisgeben, prägt das „Fremdbild“. Dieses hat aber unweigerlich Einfluss auf das „Selbstbild“. Wenn wir Bewunderung und Komplimente bekommen, erfüllt uns das mit Stolz – es stärkt das Selbstbewusstsein. Wenn das allerdings nicht der Fall ist, und man kaum oder gar negatives Feedback bekommt, dann kann es zu negativen Veränderungen im Selbstbild kommen.

„Selbstbild“ und „Fremdbild“ beeinflussen einander maßgeblich. (ich würde hier gern schreiben na-no-na-ned, aber das passt so gar nicht…) Ich war ca. zwei Jahre bei /weltweitbekannte Marke/ für das Marketing zuständig, und dann weitere zwei für eine andere relativ bekannte Marke. Das hat sowohl mein Selbstbild als auch das Fremdbild geprägt. So wirklich glücklich gemacht hat mich beides nicht***, also bin ich jetzt bzw. genieße ich jetzt den Status „Praktikantin“. Ein bisschen ein Zweifel schwingt mit. Ich kann T+M in Sachen Content Marketing unterstützen, ich kann meine Kreativität zur Verfügung stellen, aber mehr nicht. Kein Management, keine Kontrolle. Lernen, Geduld (mit mir selbst) und Annehmen können. Und für mich lohnt es sich. Ich lerne jeden Tag dazu.

Etwas realitätsfremd ist meine Geschichte schon – ich bin in einer Lebenslage, in der ich mir diesen Lernprozess leisten kann. Mir ist bewusst, dass ich echt ein Glückspilz bin. Und eher die Ausnahme als die Regel. Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht genau, was ich mit dem Ganzen im Endeffekt sagen will. Ich wünsche mir sagen zu dürfen, seid glücklich mit dem was ihr seid und mit dem was ihr tut. Und wenn nicht… schreibt uns und kommt auf ein „Begleitservice“ vorbei 😝 Kidding (oder doch nicht?). Wenn nicht, habt keine Angst etwas daran zu ändern, auch wenn es vermeintlich das „Fremdbild“ ändern würde. Aber… wie bereits gesagt, ich bin ja nicht in der Position Ratschläge geben zu dürfen.

Wenn ihr es bis hierher geschafft habt – seid happy und möge euch euer Job weniger Grund zum Sudern und mehr Grund zum Dankbarsein geben!

Ich freue mich unheimlich über Feedback, unter vivian.gergova@tomanmeyer.com oder Facebook. Ob und wann es eine quasi WhatsApp Selbsthilfe-Gruppe geben wird (muss mir hierzu echt einen cooleren Namen einfallen lassen…) besprechen wir dann noch.

*gendering ist so ein Thema… wir (T+M) haben beschlossen in der weiblichen Form zu schreiben. Ich halte es für absolut richtig! Es macht (für mich) Sinn, nach so vielen Jahren in denen nur in der männlichen Form geschrieben wurde, das ganze auszugleichen. Wer mich kennt, weiß aber, dass mir das nicht unbedingt liegt. Grund 1) Deutsch ist meine zweite Fremdsprache. Somit spüre ich es nicht wirklich. Ich fühle mich angesprochen, wenn ich „Stundenten“ lese und wenn ich „Studierende“ lese. Wenn es um die Masterthesis ging, war ich ziemlich unglücklich darüber, weil es für mich eine Doppelbelastung war zu überlegen, ob  das Wort gegendert gehört oder nicht – ich hatte nämlich auch überall „MitgliederInnen“ geschrieben 😂. Grund 2) ich war der Meinung, dass wenn man gendern muss, wenn es quasi erzwungen wird, die Gefahr besteht, dass es genau die gegenteilige Wirkung hat. Mein Argument war früher, wenn Frau sich ausgeschlossen fühlt, dann ist Frau quasi selbst schuld. Aus heutiger Sicht: was ist denn das für ein absurdes und abwertendes Argument?! Heute fällt mir negativ auf, wenn ein Text nicht geschlechtsneutral geschrieben ist.  Also hat dieser Zwang (Masterthesis sei Dank) mir tatsächlich was gebracht. Long story short – über Gleichstellung/Gleichberechtigung muss man reden, man muss darüber diskutieren – und auch wenn die Diskussion damit beginnt, ob eine Masterarbeit zwingend gegendert werden muss. Abschließend die Meinung meiner Schwiegermutter (ich weiß nicht ob es an meinem Sprachgefühl liegt, aber das Wort hat für mich was Negatives, deswegen nenne ich sie Bonus-Mutter): Wir verbringen so viel Zeit damit Unnötiges zu reden, es darf nicht sein, dass jemand sich nicht die Zeit nehmen kann die weibliche Form zu inkludieren. (und nein, ich wurde auch hier nicht gezwungen das zu sagen)

**1) Die Definition von „erfolgreich“ ist jedem selbst überlassen. 2) Ich habe (noch) keine Kinder. Inwiefern Kinder hier eine Rolle spielen, kann und darf ich nicht beurteilen.

*** es hat mir beides extrem viel gegeben. Ich durfte in beiden Firmen mit großartigen Menschen arbeiten und wäre jetzt nicht da wo ich bin. Ich bin sehr dankbar für die Erfahrung und liebe und vermisse meine (Ex)Teams.

 

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